»Die Malereien Katrin Kunerts; als würden Träume in ihnen warten, irgendwo in den Zwischenräumen, im Unsichtbaren, verschwunden von den Oberflächen, dicht darunter zu verharren, nicht mehr direkt greifbar wie noch am Beginn ihres Schaffens. Jetzt repräsentieren sich die Dinge selbst, beinahe nüchtern, leise, mit Nachdruck. Landschaften, Stilleben, selten eine Figur. Kühle Lichtregie unterstützt die Stimmungen, hebt Details hervor oder verschattet sie. Die Farbe, geschichtet aus Eitempera und Öl, breitet sich flächig aus, wird zuweilen angeschärft, sam­melt sich häufig in blaugrünen Tönen, umgeben von erdigem Orange, sattem Ocker, fahrigem Gelb, verschwindendem Rosa. Alles eher Farben aus Erinne­rungen, inneren Erfahrungen, die das Außen zum Innen machen und dennoch heraus­gefiltert sind aus der Natur, der Anschauung vor Ort. Die Oberflächen ruhig, glanzlos, die Pinselspuren getilgt. Die auf den ersten Anschein tiefen Bild­räume sind bei genauerer Betrachtung eher in die Fläche getrieben, die Darstel­lungen sammeln sich in der vorderen Bildebene, werden hier zueinander gefügt, miteinander verzahnt. Der Horizont liegt weit oben oder ist ganz aus den Bildern verschwunden. Es ist wie Wegrücken und wieder Heranholen, Heraus­nehmen und wieder Zurücksetzen, Annehmen und wieder Verfremden. All das erzeugt die besondere Poesie der Malereien, ihr hermetisches Verschlossen-Sein, als wäre jeder Versuch, wirklich hinter die Oberflächen zu gelangen, vergeblich. …«

Ina Gille: »Malgründe – Lebensgründe«, Katalogtext,
erschienen in »Katrin Kunert: Luftdicht. Malerei 2004 – 2011«,
OEMUS MEDIA AG, Leipzig, 2011, S. 55 – 62

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»Katrin Kunert weiß was sie tut. Sie ist Architektin ihrer Bilder, sie konstruiert, baut, schichtet und bringt dabei alles auf ein erträgliches Maß. Denn, so die Künstlerin, kein Bild sei so traurig wie so mancher Anlass. Sie behauptet nicht, den Überblick zu haben. Im Ausschnitt jedoch kennt sie sich aus, hat Ordnung geschaffen und dabei Sicherheit erlangt.

Die Inhalte, mit denen sich Katrin Kunert auf ihren Bildern beschäftigt, schöpft sie aus einem persönlichen Fundus, wobei Fotos, Skizzen und Textfragmente aus Lyrik oder Prosa gleichermaßen als Erinnerungsstützen dienen. Mit dem Vorsatz ›das muss ich mal malen‹ wird das Material abgelegt, um teils schnell, teils erst nach längerer Zeit, ausgelöst durch einen besonderen Anlass, der eine bereits gespeicherte Situation wieder heraufbeschworen hat, wieder hervorgeholt und einem Bild Anlass zu geben. Manchmal sind es auch mehrere Versatzstücke, die gemeinsam zu einem Bild verschmelzen.

So speisen sich Katrin Kunerts Bilder immer aus Biografischem, Orte die sie be­sucht hat, Themen, die sie beschäftigt haben, Personen, die ihr begegnet sind. Insofern sind ihre Arbeiten sehr persönlich und selbstreferentiell. Jedoch treten dem Betrachter keine ungestümen expressiven Seelenregungen entgegen. Katrin Kunert präsentiert nichts Unverdautes. …«

Esther Niebel: »Luftdicht«, Katalogtext,
erschienen in »Katrin Kunert: Luftdicht. Malerei 2004 – 2011«,
OEMUS MEDIA AG, Leipzig, 2011, S. 5 – 10

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»Zwischen Wasser und See. Das fließende, fallende, stürzende, über alle Ufer tretende Element und der ufergefasste, ruhig liegende See. Wie wird das eine zum anderen, und was ist das überhaupt, das Dazwischen? Über welche Räume und Zeiten hinweg zeigt es sich, ist es greifbar oder entzieht es sich?

Eine poetische Umschreibung, hinter der die Sehnsucht aufscheint, etwas zu fassen, was an sich unfassbar ist. Wenn man will ein Spiel, ansonsten bitterer Ernst. Beides findet sich im Werk von Katrin Kunert. …

Katrin Kunert zeichnet vor Ort, sich die Formenfülle der Natur anzueignen, das Erlebte, Gesehene in Beziehung zu setzen zu sich selbst wie zur Kunstgeschichte. Bewusst stellt sie sich dabei vor allem in die Tradition der Deutschen Romantik, einer besonderen Art individueller Sinnsuche wie Sinngebung, die größtenteils über die Natur codiert ist. …«

Ina Gille: Eröffnungsrede zur Ausstellung »Zwischen Wasser und See«,
Galerie Hotel Leipziger Hof, 7. März 2009

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»… Betrachtet man die Gemälde und Grafiken genauer, nimmt sich Zeit für sie, lässt sie auf sich wirken und taucht in sie ein, vollzieht man einen Perspektiv­wechsel. Vom Betrachter der Gemälde werden wir zu Beobachtern der geschil­derten Szenerien und Umgebungen und sind gleichzeitig ein Teil von ihnen. Denn Katrin Kunert entwirft keine Bilderrätsel vor nostalgischen Hintergründen, sondern nimmt uns mit ihren Arbeiten an den jeweiligen Ort des Geschehens mit. Dort hinein versetzt, weist sie uns einen Standpunkt in einigem Abstand zum Ereignis an und unter Beibehaltung der Außenperspektive werden wir mal in eine nächt­liche Szenerie auf der Insel Rügen, mal in die flirrend heiße Berglandschaft Süd­frankreichs oder in den Garten der Villa d’Este katapultiert. Auf einzigartige Weise hat man Anteil an der Atmosphäre des jeweiligen Ortes, die so förmlich greifbar wird. …

Katrin Kunert lässt ihre Bilder entsprechend einem inneren Gefühl entstehen. Sie speisen sich aus Orten, die sie besucht hat, aus Biographischem, aus Themen, die sie beschäftigt haben, oder Personen, die ihr begegnet sind. Diese daraus resul­tierenden Stimmungen und Eindrücke verwebt sie miteinander und bannt sie auf die Leinwand. Gleichzeitig lässt sie darin ihre eigene Lebenssituation einfließen. Sich erinnernd und stützend auf einen persönlichen Fundus an Fotos, Skizzen und Textfragmenten gibt sie in ihren Bildern Erlebtes und Empfundenes verdichtet wieder. …«

Katharina Heider: Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung »Single Songs«,
Kunstverein Panitzsch, 6. Oktober 2013

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